und die Schatten fallen hinter Dich

Kategorie: Canada Work

Thank you and bye bye Dukeshire Farm🙏🏼

Fast zwei Wochen haben wir bei Holly und Jimi auf der Farm verbracht, die Zeit verging wie im Flug und der gestrige Abschied fiel uns tatsächlich nicht leicht.

v. l. n. r.: Holly, Gleb, Inna, Jimi

Das frühe Aufstehen, die traumhaften Sonnenaufgänge, die tägliche Fütterung der Tiere, schmerzende, erfrorene Fingerkuppen und Kleinzehen beim stundenlangen Foodsaving, Streicheln der Bisons und ihre raue, schwarze Zungen, mit der sie die Äpfel vorsichtig aus der Menschenhand auflesen, die scheuen Emus, die lauten Hühner, die fröhlichen Schweine, das Holzhacken und viele andere Tätigkeiten mit Jim zusammen bleiben uns sicher lange in Erinnerung.

Auch Holly’s fantastische, sehr kreative und unermüdliche Arbeit an Gnoms, Seifen und Kerzen ist absolut bewundernswert! Bei den Zutaten und Verpackungen wird übrigens sehr auf Umweltfreundlichkeit geachtet.

Doch richtig berührt haben uns auch hier wieder die Menschen. Sie sind anders, sie sind eigen und manchmal kompliziert, sie sind fast komplett Selbstversorger, sie mögen keine großen Städte und leben in sehr enger freundschaftlicher Nachbarschaft…

Da ist Semi aus Tonga, der so gutmütig und stark ist und so selbstverständlich beim Schlachten und Zubereiten der ganzen Schweine für die Charity-Veranstaltung hilft und uns dabei lustige Geschichten über seine Zeit in Neuseeland erzählt.

Da ist Mario aus NeuAnspach, der die Freiheit liebt und Jim jederzeit bei allen technischen Fragen hilft. Kochen kann er auch, und wir Frankfurter waren natürlich zum Essen eingeladen. Und wenn 250 Pfund Kartoffeln für wohltätige Zwecke geschält werden müssen, ist Mario auch dabei.

Genau, die Wohltätigkeit…
Eine unglaublich rührende, sehr starke und für uns ungewöhnliche Benefizaktion zugunsten der Familie ihres unheilbar kranken Freundes haben Jim und Holly heute veranstaltet. Wochenlang wurde geplant, vorbereitet und geworben, es wurden Sponsoren und Helfer gesucht, mehr als 400 Menschen werden heute dabei sein. Respekt!💔

Wir durften also wieder viele interessante, engagierte, vielseitige und herzensgute Menschen kennenlernen und sind sehr dankbar für dieses Geschenk.🧡

Und ein ganz kleines bisschen sind wir auch auf uns stolz! Wir haben es durchgezogen! 💪
Vier WWOOF-Stationen, vier absolut fremde Welten mit diversen Herausforderungen! 😅😅

Heute in Hope, aufm Weg nach Vancouver…

🇨🇦Edmonton🇺🇦

Nach einer Woche wwoofern auf der Farm hatten wir zwei Tage frei und haben Edmonton besucht.

Edmonton ist eine sehr junge Stadt, Downtown mit der Skyline und die meisten Museen und Theater sind in den letzten 50 Jahren entstanden.

Zuerst der Pelzhandel, danach die Holzwirtschaft und später natürlich die riesigen Erdölvorkommen haben der Stadt zum großen Reichtum verholfen.

Rund 1,5 Millionen Kanadier haben ukrainische Wurzeln, es ist die größte Diaspora außerhalb des Mutterlandes.
Eine der größten ukrainischen Gemeinden Kanadas findet sich in Edmonton. Die Berliner Zeitung nannte die Stadt in einem Artikel sogar „Klein Kiew“. Hier eine interessante sozio-demographische Aufstellung der ukrainischen Kanadier:

https://www150.statcan.gc.ca/n1/pub/36-28-0001/2022004/article/00003-eng.htm

Ein guter Artikel über die Beziehungen der beiden Länder in den letzten 30 Jahren:

https://www.ukrinform.de/amp/rubric-other_news/3393770-ukrainekanada-wie-nah-sind-wir-einander-in-30-jahren-gekommen.html

Wir haben ein ukrainisches Geschäft besucht und die ukrainische katholische Kirche gesehen, wir haben mit einigen Menschen gesprochen.
Unser Gefühl entspricht so ziemlich der soziologischen Statistik: die Mehrzahl der Ukraine-Kanadier sind Urgroßenkelinnen und Urgroßenkel der ukrainischen Emigranten von vor über 100 Jahren. Die sowjetische und die heutige Ukraine ist für viele wohl etwas sehr abstraktes gewesen. Der Krieg in der Ukraine ist in ganz Kanada natürlich ein großes Thema und die Geflüchteten werden mit offenen Armen aufgenommen.

Eine sehr schöne Ausstellung mit dem für uns sehr passenden Namen „Road Trip“ durften wir in der Art Gallery of Alberta anschauen:

Eine große Rolle im Leben der Stadt nehmen die Eishockeyspiele der NHL ein. Das Eisstadion ist mitten in der Stadt, am Römer sozusagen! Und auch die Förderung der jungen Talente im Eiskunstlauf kommt nicht zu kurz, Training mitten in der Mall…!

https://edmontonjournal.com/news/local-news/fighting-by-playing-ukrainian-u25-mens-ice-hockey-team-visits-edmonton-on-tour-to-save-sport-in-wartorn-country

Ja, apropos MALL, WEST EDMONTON MALL… ein Konsumtempel mit 800(!) Geschäften auf der Fläche der 100 Fußballfelder, mit Vergnügungspark und Schwimmbad und was nicht noch alles…

Hier finden sich die Zara’s und die Levi’s Tür an Tür mit Cartier und Tiffany, und auch sehr spezialisierte Geschäfte findet man hier, zum Beispiel ein riesiger Laden nur für Billard-Bedarf:)

Wir haben gestern zum ersten Mal in vier Monaten einen Nachmittag mit Shoppen verbracht… ist das anstrengend!😅

Größte Mall Nordamerikas
eigentlich sehen alle Malls gleich aus, aber ein Autosalon+ Werkstatt mittendrin ist neu:)

Übrigens geht Shopping in den second hand-Läden in Kanada genauso toll wie in Neuseeland. Die Shops heißen nur nicht OP-Shops wie auf der Südhalbkugel sondern Thrift Store oder Vintage Store. Excellent sortiert, riesig, hell, warm und sauber sind sie alle! Und die Idee der Wiederverwendung und -verwertung wird großartig umgesetzt!

Heute früh war wieder Arbeiten auf der Farm angesagt, Tiere versorgen und in der Küche mithelfen.

Happy to be a WWOOFer 🤩

Unsere insgesamt vierte WWOOFer-Station während unseres Sabbaticals ist eine Farm in Wildwood, etwa 100 km von Edmonton, der Hauptstadt der Provinz Alberta in Canada.

Die gute Stube: Empfang, Werkstatt, Küche, Wohnzimmer…

Interessanterweise wurde WWOOF im selben Jahr gegründet, in dem wir geboren sind😉 hier zur Erinnerung nochmal die Infos: https://de.m.wikipedia.org/wiki/WWOOF

Vorgestern kamen wir also bei Holly und Jim an, und heute fühlt es sich schon sehr heimisch an! Wir haben wieder Glück mit den sehr netten Gastgebern, der supercoolen Location und einem sagenhaften Winterwetter!🙏🏼

https://dukeshirefarms.com/

Sonnenaufgang heute

Vor 2 Wochen hatten sie hier bis -50, was ein Glück, es verpasst zu haben!! Zurzeit ist es mit -16/-20 fast tropisch warm 😅

Jeden Morgen müssen die Tiere mit Wasser und Futter versorgt werden. Es sind dabei viele verschiedene Dinge zu beachten, zum Beispiel dass das Wasser schneller gefriert, als die Kühe es austrinken können… 🤯

Und wenn die Emus aus Versehen die Eier im Winter draußen legen, sind diese fast sofort erfroren…🙃

Grün-glitzerndes EMU-Ei…

Einmal die Woche fährt Jim in die Stadt, zum Supermarkt seines Vertrauens. Dort bekommt er die „abgelaufenen und/oder beschädigten“ Lebensmittel mit, eine volle Trailer-Ladung, praktisch umsonst. Wenn er oder andere Farmer die Lebensmittel nicht abholen, werden sie entsorgt sprich weggeworfen! Tonnenweise…😔

Das tägliche Frühstück für alle Vierbeiner… Foodsaving, Foodsharing, wie auch immer es heißt, es macht Sinn!
Die zwei riesigen Beschützer sind immer draußen und dabei😍

Am Nachmittag werden die Nachbarn besucht oder sie kommen zum Abendessen vorbei. Hier draußen kann man alleine nicht überleben, gute Nachbarschaft ist alles! 🤝
Jim und Gleb waren heute bei einer Nachbarin und haben Wasserleitungen enteist, damit sie wieder fließendes Wasser hat…😅
Und Holly arbeitet immer in ihrer Werkstatt, faszinierend geduldig und unermüdlich. Ich durfte heute helfen, beim Herstellen der Gnom-Nasen und -Mützen…😍

Wir freuen uns auf die nächsten Tage, es wird sicher noch sehr spannend! Vielleicht werden wir mit Holly bunte Seifen machen, mit Jim kochen und seine schockgefrorenen Lebensmittel herstellen, die deutschen Nachbarn besuchen, nochmal Büffel aus der Hand füttern, Schneeschuh-Wanderung durch die Felder machen, Edmonton anschauen… 🤩

❄️ Ja, es ist ein Wintermärchen ❄️
🤣🤣🤣